Überdimensionierte Straßen(aus)bauten infolge fehlerhafter Verkehrsprognosen

Kleine Anfrage vom 30.04.2026

Mobilität in Sachsen-Anhalt

Mit einer Kleinen Anfrage haben die Landtagsabgeordneten Cornelia Lüddemann und Olaf Meister (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) im April 2026 die Landesregierung zu überdimensionierten Straßen(aus)bauten infolge fehlerhafter Verkehrsprognosen befragt. Anlass der parlamentarischen Initiative ist ein Bericht des Landesrechnungshofes, der kritisiert hatte, dass beim Straßenbau teilweise mit deutlich zu hohen Verkehrsprognosen gerechnet wurde. Die Grünen wollten wissen, welche Folgen dies für Straßenbauprojekte, den Flächenverbrauch und die Kosten in Sachsen-Anhalt hatte.

Hintergrund der Anfrage ist die Sorge, dass überhöhte Prognosen zu unnötig großen Straßen, vermeidbaren Eingriffen in Natur und Landschaft sowie höheren Baukosten führen könnten. Verkehrsprognosen spielen eine wichtige Rolle bei der Planung von Infrastruktur, weil sie die erwartete Entwicklung des Verkehrsaufkommens berücksichtigen. Weichen diese Annahmen später deutlich von der tatsächlichen Entwicklung ab, kann das erhebliche Auswirkungen auf Planungen und Investitionen haben.

In ihrer Antwort erklärt die Landesregierung, dass sie keine Statistik darüber führt, bei wie vielen Straßenbau- oder Erhaltungsmaßnahmen sich Verkehrsprognosen im Nachhinein als deutlich zu hoch erwiesen haben. Nach Angaben des Ministeriums habe es seit 2015 keinen Fall gegeben, in dem aufgrund fehlerhafter Prognosen der Straßenquerschnitt verbreitert worden sei. Die Breite von Landesstraßen richte sich grundsätzlich nach der Bedeutung einer Straße im Verkehrsnetz und nicht nach der prognostizierten Verkehrsmenge. Deshalb seien nach Darstellung der Landesregierung keine zusätzlichen Kosten durch überdimensionierte Straßen entstanden.

Auch bei der Erstellung künftiger Verkehrsprognosen sieht die Landesregierung derzeit keinen Änderungsbedarf. Eine Überprüfung der verwendeten Prognosemethoden oder der internen Qualitätssicherung ist nach ihrer Antwort nicht geplant. Zwar weist sie darauf hin, dass Prognosen durch außergewöhnliche Ereignisse – etwa eine Pandemie oder größere Unternehmensansiedlungen – von der tatsächlichen Entwicklung abweichen können, hält das bestehende Verfahren jedoch grundsätzlich für fachlich geeignet.

Die Kleine Anfrage macht deutlich, wie wichtig transparente und nachvollziehbare Grundlagen für die Planung öffentlicher Infrastruktur sind. Für Bürger*innen in Sachsen-Anhalt ist das Thema von Bedeutung, weil Straßenbauprojekte erhebliche öffentliche Mittel binden und Auswirkungen auf Flächenverbrauch, Umwelt und die Entwicklung von Städten und Gemeinden haben. Eine parlamentarische Kontrolle trägt dazu bei, Planungsentscheidungen nachvollziehbar zu machen und einen wirtschaftlichen Umgang mit Steuergeldern sicherzustellen.

Ansprechpartner*innen

Cornelia Lüddemann
Cornelia Lüddemann

Fraktionsvorsitzende; Sprecherin für Mobilität, Soziales und Gleichstellung, Ländlicher Raum

Tel.:0391 560 4004
E-Mail: cornelia.lueddemann@gruene-fraktion-lsa.de
Web: cornelia-lueddemann.de
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